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Pressemitteilungen

Presseauskunftsersuchen nach dem Landespressegesetz Bayern zu Vorkommnissen im Tiergarten Nürnberg

Ende Oktober 2014 erhielt das Presseamt der Stadt Nürnberg ein Presseauskunftsersuchen mit acht Fragen zu Vorgängen im Tiergarten der Stadt Nürnberg.

Die Fragen basieren vermutlich auf Informationen aus einem internen städtischen Dokument, das vom Tiergarten der Stadt Nürnberg für eine verwaltungsinterne Information und Diskussion im Jahr 2012 erstellt wurde. Die so entstandenen Fragestellungen nehmen Bezug auf tatsächliche Vorkommnisse, über die der Tiergarten z. T. schon in der Öffentlichkeit berichtet hat und über solche, über die der Tiergarten nur stadtintern berichtet hat.

Das Auskunftsersuchen nach dem Landespresserecht ist keiner journalistischen Recherche geschuldet, sondern Teil der Kampagne einer Tierrechtsorganisation gegen Zoos, die offenbar Zugriff auf internen Schriftverkehr der Stadt Nürnberg hat.

Der Tiergarten kann und darf das ursprüngliche Dokument nicht veröffentlichen, da dort u. a. auch sensible Personaldaten und Rechtsfragen gestreift werden, die als Betriebsgeheimnis einzustufen sind.

Mit Interesse verfolgt der Tiergarten die Kampagnen von Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen gegen Zoologische Gärten allgemein und den Tiergarten Nürnberg im Besonderen.

Legt man den Grundsatz der Unteilbarkeit des Tierschutzes einer Betrachtung der Qualität unterschiedlicher Haltungssysteme von Tieren in Deutschland zugrunde, dann rangieren die Haltungssysteme, das Management, die Betreuungsintensität und die für alle Bürger gegebene Transparenz der Tierhaltungen in Zoologischen Gärten unzweifelhaft auf der Skala ganz oben.

Aus externer Sicht mögen interne Informationen aus Behörden und Betrieben ein wertvoller Glücksgriff sein. Im Falle des Tiergartens bieten sie aber keinen Stoff für Enthüllungen:

  • Die Beckenfuge ist sichtbar und jeder Bürger kann überprüfen, ob sie verschlossen wurde oder nicht. Auch der abgesenkte Wasserspiegel ist sichtbar. Die Lagune ist öffentlich. Der Salzwasseraustritt im Jahr 2011 hat ein Waldstück des Tiergartens geschädigt, was jeder Besucher sehen kann. Der Tiergarten ist seiner Anzeigepflicht des Umweltschadens unverzüglich nachgekommen.
  • Ozon ist ein gefährliches Gas, dessen unkontrollierter Austritt selbstverständlich ein nicht zu unterschätzendes bautechnisches Problem mit hohem Gefahrenpotential darstellt. Dass es zu einem derartigen Baumangel in der Lagune gekommen ist, hat weder etwas mit schlechter Tierhaltung noch mit unverantwortlichem Handeln des Tiergartens zu tun
  • Auch andere Probleme bei der Inbetriebnahme der wassertechnischen Anlagen unterliegen diesem Muster. Der Tiergarten hatte mit massivsten Problemen zu kämpfen, die er zum Glück ohne große Tierverluste mit enormem Einsatz immer noch rechtzeitig beheben konnte. Dabei hat der Tiergarten mit großer Fairness nie andere Beteiligte öffentlich bezichtigt und wird dies auch künftig nicht tun.
  • Alle individuell erfassbaren Todesfälle werden vom Tiergarten öffentlich gemacht. Jede gesundheitliche Beeinträchtigung von Tieren wird erfasst und überwacht und bei Bedarf behandelt, wie das Beispiel der Welse und Pacus im Manatibecken zeigt.

Der Tiergarten beherbergt auf seinem Gebiet die Technik mehrerer Wasserwerke, eigene Brunnen, eigene Werkstätten, die Infrastruktur eines normalen Dorfes und darüber hinaus über 2000 Tiere, die ebenso wie alle technische Anlagen Gefahrenpotentiale bergen. Der Tiergarten ist strukturiert wie ein mittelständisches Unternehmen, das die Technik und Einwohner eines Dorfes mit zuweilen bis zu 15.000 Besuchern am Tag nicht nur verwaltet, sondern beschäftigt, versorgt und organisiert. In entsprechender Häufigkeit und entsprechendem Ausmaß hat dieser Betrieb auch mit Problemen fertig zu werden.

Dass eine interne Diskussion um solche Probleme, die eine dermaßen komplexe und vielfältige Aufgabe naturgemäß auch beinhaltet, missbraucht werden soll, legt den Verdacht nahe, dass es hierbei nicht um die Sache und schon gar nicht um das Wohl von Tieren geht.

Der Tiergarten setzt seine Mittel und Kräfte für das Wohlergehen seiner Tiere ein und gehört mit seiner Arbeit zu den wichtigsten Artenschutzeinrichtungen der Region.

Die Stadt Nürnberg veröffentlicht hiermit die Fragen und Antworten zur allgemeinen Kenntnis:

1.         Frage: Trifft es zu, dass wegen der nach wie vor nicht gelösten Salzaustritte aus der Lagune eigentlich ein vollständiger Neubau der Beckenköpfe notwendig ist und dieser allein aus betrieblichen Gründen nicht erfolgt, da quasi eine ganze Sommerperiode die Lagune wg. der Bauarbeiten stillgelegt werden müsste mit Verfrachtung der Delfine an andere Orte? Trifft es weiterhin zu, dass die undichte Beckenfuge mit dem für diese Anforderungen nicht zugelassenen Fugenmittel „Vandex“ abgedichtet worden ist, obwohl dieses nur kurz- bis höchstens mittelfristig von Erfolg gekrönt sein wird und eine Zulassung von der LGA ohnehin verweigert wird? Trifft es zu, dass durch technische Schwierigkeiten Delfine in der Lagune aufgrund verunreinigtem Wasser zu Schaden kamen und behandelt werden mussten? Wenn ja, um welche Krankheiten bei wie vielen Delfinen handelte es sich und mit welchen Methoden wurden die Delfine behandelt?

Die Abdichtung der wasserdurchlässigen Beckenfuge ist nach wie vor in der technischen Prüfung. Eine endgültige technische Aussage und Entscheidung zur Abdichtung liegt noch nicht vor.

Das Fugendichtmittel Vandex wurde an einem Beckenkopfmuster geprüft und als technische Lösung für die Abdichtung der Fuge verworfen.

Es trifft zu, dass vor allem in den ersten beiden Betriebsjahren 2012 und 2013 wassertechnische Probleme auftauchten, die auch zeitweise zu erhöhten Keimwerten führten. Die Tiere wurden entsprechend engmaschig überwacht und bei Feststellung von Infektionen tiermedizinisch behandelt, vornehmlich mit Antibiotika, um die Infektionen zu stoppen, so dass die Delphine nicht zu Schaden gekommen sind.

2.         Frage: Trifft es zu, dass im Bereich Blaue Lagune ein ganz erheblicher Ozon-Gas-Austritt erfolgte mit gesundheitlichen Folgen für Menschen?

Es trifft zu, dass es im Blauen Salon zu einem durch einen - sofort nach dem Vorfall behobenen - Baumangel verursachten Ozon-Austritt kam. Besucher kamen nicht zu Schaden. Bei einem Mitarbeiter einer Firma tauchten während der Gefahrenbehebung Symptome einer Ozon-Intoxikation auf, die sofort behandelt wurden.

3.         Frage: Trifft es zu, dass durch technische Fehler viele Barsche sterben mussten wg. des Rückstaus unreinen Wassers? Wenn ja, um wie viele Barsche handelte es sich?

Es trifft zu, dass in Folge eines technischen Problems die Rotationsklärer des Manatibeckens übergelaufen sind, die Überflutungsmelder keinen Alarm abgesetzt haben und es in weiterer Folge zu einem Rückstau ungefilterten Wassers ins Manatibecken gekommen ist. Dadurch wurden etliche Perlmuttbarsche in die Rotationsklärer gespült. Die meisten von ihnen verendeten, bevor sie geborgen werden konnten. Eine genaue Anzahl ließ sich damals nicht ermitteln. Ursprünglich wurden ca. 300 Tiere eingesetzt. Am 31.12.2011 wurde der Bestand auf ca. 200 Fische geschätzt, heute handelt es sich um einige hundert Exemplare, da sich die Art im Manatibecken sehr gut vermehrt. Genauere Angaben sind nicht möglich, da sich die Tiere, vor allem die Jungfische, in dem 750.000 Liter Wasser fassenden Becken nicht genau zählen lassen.

4.         Frage: Trifft es zu, dass durch eine unzulässige Ozonanreicherung im Wasser mehrere Fische u. a. durch Verätzungen gestorben sind? Wenn ja, um wie viele gestorbene Tiere handelte es sich?

Am 12.02.2012 wurden bei einigen Pacus und Welsen im Manatibecken starke weißliche Läsionen im Schleimhautbereich beobachtet. Am 13.02.2012 verendeten vier Buntbarsche. Pacus und Welse haben am 13.02.2012 zwar noch nicht gefressen, zeigten aber geringere Schuppenläsionen. Am 14.02.2012 normalisierte sich die Haut bei zwei Dornwelsen und drei Pacus zusehends und sie nahmen wieder Futter auf. Am 15.02.2012 wurde ein Dornwels eingeschläfert, dessen Zustand nicht therapierbar war.

Befund: großflächige Hautveränderungen, teils mit Pilzbefall, deren Ursache nicht ermittelt werden konnte. Am 17.02.2012 hatten sich alle anderen Fische sichtbar erholt.

Da eine Ozonsonde zu der fraglichen Zeit ausgefallen war, bestand der Verdacht einer Ozonanreicherung im Wasser und daraus resultierende Ozonschäden bei den Tieren. Letztendlich konnte aber kein freies Ozon im Wasser gemessen werden, so dass dies eine nicht zu validierende Vermutung blieb.

Am 11.03.2012 wurde bei einem Dornwels eine Hautverletzung hinter der Rückenflosse beobachtet. Dieses Tier erscheint irrtümlich in der Tierbestandsliste der Vereinszeitschrift „Manati““ als verstorben. Das Tier hat aber überlebt und ist in der Jahresinventur korrekt als lebend verzeichnet.

5.         Frage: Trifft es zu, dass bei „Ropen“ dauerhafte Fußprobleme festgestellt worden sind? Wenn ja, wie wird ein schmerzfreies Leben dieses Nashorns garantiert?

Es trifft zu, dass Ropen schon mit Fußproblemen in den Tiergarten gekommen ist, die seither stetig behandelt werden. Eine vollständige Gesundung der Füße stand nie und steht nicht zu erwarten. Es ist bekannt, dass Fußprobleme bei Panzernashörnern ab einem gewissen Schädigungsgrad nicht gänzlich behoben, wohl aber immer wieder gemildert werden können. Neben regelmäßigen Behandlungen erhält Ropen Schmerztherapien, wenn er Schmerzverhalten zeigt. Seine Beschwerden stellen noch kein dauerhaftes Leiden dar, so dass nach wie vor noch keine Indikation für das Einschläfern des Tieres gegeben ist.

6.         Frage: Trifft es zu, dass durch erhebliche pH-Schwankungen bei Delfinen und Seelöwen erhebliche Verletzungen zustande kamen und sogar die Gefahr einer Blutvergiftung bestand?

Es trifft zu, dass im Frühjahr 2012 Hautschädigungen bei Seelöwen und Delphinen beobachtet wurden. Bei einigen Tieren haben sich einige Stellen an der Haut entzündet, so dass logischerweise die Sorge bestand, dass die Entzündung durch die Haut in den Blutkreislauf gelangen könnte. Da aber die Tiere selbstverständlich tiermedizinisch überwacht und behandelt wurden, konnte dies verhindert werden.

Was die Ursache für die vorübergehenden Hautschädigungen waren, lässt sich nicht eindeutig nachvollziehen, da die Tiere in einem komplexen biologischen System leben, in dem sich alle möglichen Parameter ändern können. Abrupte pH-Schwankungen können eine Rolle spielen. Deswegen wurde an dieser Stellschraube auch gearbeitet. Es ist eine von vielen denkbaren Ursachen. Die damals immer wieder auftretenden pH-Schwankungen konnte man in den Griff bekommen. Inwieweit es einen ursächlichen Zusammenhang zu den Hautläsionen der Tiere gibt, lässt sich nicht eruieren, gilt aber nach wie vor als wahrscheinlich.

7.         Frage: Trifft es zu, dass mehrere Paviane Erfrierungen erlitten und einige sogar deshalb eingeschläfert werden mussten? Wenn ja, wie können Erfrierungen mit letaler Wirkung überhaupt vorkommen?

Am 06.02.2012 wurden bei 3-4 Tieren Erfrierungssymptome an den Extremitäten festgestellt. Daraufhin wurde die gesamte Gruppe in den Stall genommen. Am 14.02.2012 wurden dann zwei betroffene junge weibliche Tiere eingeschläfert. Der Befund ergab den Verlust der Finger und Zehengliedmaßen mit einer lokalen eitrigen Entzündung des Weichgewebes. Alle anderen Tiere wurden dann antibiotisch behandelt und blieben schadlos.

Wie es zu den Erfrierungen kam, war nicht nachvollziehbar. Die Tiere bewohnen die Anlage seit 1942, ohne dass solche Erfrierungen auftraten. Besonders erstaunlich ist dies, weil durch den Neubau des Pavianhauses die beheizte Innenfläche verachtfacht wurde und die Tiere im Unterschied zu der früheren Haltung ein Rundlaufsystem haben und sich jederzeit ausweichen können. Dadurch ist es unwahrscheinlich, dass die betroffenen Tiere nachts aus dem Haus vertrieben und nicht mehr hereingelassen wurden. Es handelte sich auch nicht um außergewöhnliche Frostereignisse: am 06.02.2012, als die Tiere schon im Haus eingesperrt waren, wurde mit -14,7°C die niedrigste Temperatur des Februars in Nürnberg gemessen. Nach diesem Vorfall im Februar 2012 wurden bis heute keine Erfrierungen mehr beobachtet.

Die Erfrierungen selber waren nicht letal, sondern die Tiere wurden nach tiermedizinischer Indikation eingeschläfert, um ihnen ein dauerhaftes Leiden durch den Verlust von Gliedmaßen zu ersparen.

8.         Frage: Trifft es zu, dass mehrfach Tiere ausgebrochen sind, darunter sogar Gorillas und Geparden, mit welchem Gefahrenpotential für Besucher und Tierpfleger? Auf welche Weise konnten wie viele Tiere und Tierarten wieder eingefangen werden?

Es kommt immer mal wieder zu Ausbrüchen von Tieren aus Gehegen, deren Umfriedungen ein Entweichen nicht grundsätzlich ausschließen, was ebenfalls in den lokalen Medien schon mehrfach berichtet und kommentiert wurde. Dabei handelt es sich nur um Tiere, von denen keine Gefahr für Besucher ausgeht.

Der Ausbruch von Geparden im Jahr 2012 ist hinlänglich in der Presse kommentiert (s. PM 25 und 26/2012 auf der Website des Tiergartens). Ein Gorilla, der wie alle Menschenaffen zu den besonders gefährlichen Tieren gehört, hat im Jahr 2006 tatsächlich einmal sein Innengehege unbefugt verlassen, konnte aber von den Pflegern, bevor er den Tierpflegebereich verlassen hat, wieder in eines seiner Gehege gelockt werden. Gefahr für Besucher hat in keinem Fall bestanden.

Der Tierpflegerberuf ist ein gefahrgeneigter Beruf. Deshalb erhalten Tierpfleger eine Gefahrenzulage. Gefährliche Situationen zu meistern gehört zur Ausbildung und zum Anforderungsprofil dieses Berufs.

Die letzte Frage kann angesichts der 75-jährigen Geschichte des Tiergartens am Schmausenbuck beim besten Willen nicht umfassend beantwortet werden. In den letzten zehn Jahren sind etwa 20-25 Tierindividuen aus 15 Tierarten zeitweise außerhalb ihres Geheges gewesen. Das reicht vom Steinhuhn über einen Berberaffen bis zum Somali-Wildesel. Ein Teil der Tiere hat sich von selbst zurück ins Gehege begeben und dieses dann auch nicht wieder verlassen (z. B. Buntmarder, Berberaffe, Dybowski-Hirsche, junge Elenantilopen, Flachlandtapir) oder wurde fachgerecht mit einem Kescher gefangen (z. B. Totenkopfaffe, junger Gepard, Steinhuhn) oder wurde fachgerecht narkotisiert (z. B. Zebra, Somali-Wildesel, erwachsener Gepard). Aus dem Bibergehege ausgebüxte Ziesel wurden nicht wieder eingefangen, sondern werden am von ihnen neu gewählten Wohnort am Nashorngehege mit ausreichend Futter versorgt.

Anmerkung: Alle individualisierbaren Todesfälle im Tiergarten werden im Eingangsbereich des Tiergartens für alle Besucher sichtbar ausgehängt und in der Vereinszeitschrift „Manati“ veröffentlicht.