Luchs aus dem Tiergarten im Pfälzerwald ausgewildert
Am Montag, 22. Juni 2026, ist ein junger männlicher Karpatenluchs aus dem Tiergarten Nürnberg in Rheinland-Pfalz ausgewildert worden. Das gemeinsame…
Am Montag, 22. Juni 2026, ist ein junger männlicher Karpatenluchs (Lynx lynx carpathicus) aus dem Tiergarten Nürnberg in Rheinland-Pfalz ausgewildert worden. Das gemeinsame Projekt der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz (SNU) und der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF) soll die genetische Vielfalt des rheinland-pfälzischen Luchsbestandes langfristig sichern.
"Wir freuen uns sehr darüber, dass mit Koda ein weiterer Nürnberger Luchs einen Beitrag zum Erhalt Europas größter Katzenart leistet und die Population im Pfälzerwald stärkt. Auch diese Auswilderung zeigt deutlich, welche wichtige Rolle Zoos im Natur- und Artenschutz spielen", sagt Jörg Beckmann, Biologischer Leiter und stellvertretender Direktor des Tiergartens.
Luchskuder Koda wurde im Mai 2025 im Tiergarten Nürnberg geboren. Im Februar dieses Jahres zog er in ein Koordinierungsgehege des Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe, um dort auf seine Auswilderung vorbereitet zu werden. Er ist damit der vierte Luchs aus dem Tiergarten Nürnberg, der in den letzten Jahren ausgewildert wurde. Drei weitere in Nürnberg geborene Luchse leben heute im Schwarzwald, im Thüringer Wald und im Westerzgebirge.
Die Luchs-Anlage im Nürnberger Tiergarten hat mit Blick auf Auswilderungsprojekte entscheidende Vorteile: Sie umfasst eine Fläche von rund 1.850 Quadratmetern, ist reich strukturiert und bewaldet. Damit bietet sie den Tieren viele Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten. Während der Aufzucht in Nürnberg bekommen die Luchse Rehe als Futter, die natürliche Hauptbeute. So kommt es nicht zu einer Fehlprägung auf andere Beutetiere. Die Rehe stammen vom Forstbetrieb Nürnberg der Bayerischen Staatsforsten. Sie werden bei der regulären, nachhaltigen Jagdausübung im Nürnberger Reichswald erlegt und dienen so als hochwertiges Futter.
"Die Rückkehr der Luchse in den Pfälzerwald ist ein großer Erfolg. Forst, Jagd, Nutztierhaltung und Naturschutz arbeiten in diesem Projekt vorbildlich zusammen. Es ist von großer Bedeutung, dass nun die Grundsteine gelegt werden, um diesen Erfolg dauerhaft zu erhalten", sagte Christine Schneider, Landwirtschafts- und Umweltministerin des Landes Rheinland-Pfalz und zugleich Vorstandsvorsitzende der Stiftung Natur und Umwelt.
Das Projekt zur Nachzucht der Luchse wird über das Erhaltungszuchtprogramm des Europäischen Zooverbands (EAZA Ex situ Programme, kurz EEP) und das Netzwerk "Linking Lynx" koordiniert. Das internationale Netzwerk beschäftigt sich mit der Erhaltung, dem Monitoring und dem Management des Karpatenluchses. Ziel ist es, Vorkommen zu stützen, zu gründen und miteinander zu verbinden. Luchs Koda soll sich mittelfristig in der Luchspopulation im Pfälzerwald mit Weibchen paaren und sich dadurch genetisch in die bestehende Population einbringen, um deren Diversität zu stärken.
Die Integration und Reproduktion der Tiere werden mittels Telemetrie und genetischem Monitoring evaluiert. Die systematische Sammlung und Analyse von Kot-, Haar- und Gewebeproben sollen Aussagen über die genetische Vielfalt und Verwandtschaftsverhältnisse ermöglichen, die die Basis für weitere Auswilderungen geben.
Auch aktuell wieder Luchs-Nachwuchs im Tiergarten zu sehen
Auch in diesem Jahr wurden im Tiergarten wieder Luchse geboren. Die beiden Welpen entwickeln sich sehr gut und sind inzwischen immer häufiger außerhalb ihrer Felsnische zu sehen, in der sie die ersten Wochen verbracht haben. Vater der Neugeborenen ist Sitka. Der vierjährige Kuder ist im April 2025 im Zuge des EEPs aus dem belgischen Zoo Monde Sauvage in den Tiergarten gekommen. Ob eines oder beide Jungtiere aus diesem Jahr ausgewildert werden oder im Rahmen des EEP weiter züchten sollen, steht noch nicht fest.