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Aktuelles aus dem Tiergarten

Nachwuchs bei stark gefährdeten Chaco-Pekaris

Klein, borstig und voller Energie: Im Tiergarten Nürnberg gibt es erneut Nachwuchs bei den stark gefährdeten Chaco-Pekaris (Catagonus wagneri), einer Nabelschweinart aus Südamerika. Die beiden Ferkel wurden am Montag, 19. Januar 2026, geboren und erkundeten bereits kurz nach der Geburt gemeinsam mit der Gruppe das Gehege. Das Geschlecht der Jungtiere steht noch nicht fest.

"Die Ferkel sind fit und neugierig. Es gelingt uns inzwischen auch gut, sie regelmäßig in den beheizten Stall zu führen – bei den aktuellen Temperaturen ist das besonders wichtig", erklärt Tierpfleger Steffen Luther. "Chaco-Pekaris sind sehr soziale Tiere. Neben Mutter Bibi kümmert sich auch das zweite Weibchen fürsorglich um den Nachwuchs. Obwohl es selbst derzeit keinen Nachwuchs hat, gibt es Milch und säugt die Kleinen mit – eine echte Besonderheit im Tierreich."

2025 wurden im Tiergarten erstmals Pekaris aufgezogen – im Mai und im Juni. Damit leben im Tiergarten aktuell neun Tiere dieser seltenen Art, drei erwachsene und sechs Jungtiere. 

Pekaris als wichtige Ökosystem-Ingenieure

In der Natur kommen Chaco-Pekaris ausschließlich in einem kleinen Grenzgebiet Argentiniens, Boliviens und Paraguays vor. Sie bewohnen Trockenwälder und Dornstrauchsavannen und übernehmen dort eine wichtige Rolle für das Ökosystem: Über ihren Kot verbreiten sie Pflanzensamen und durch ihre Wanderungen schaffen sie Wege, die auch andere Tierarten nutzen.

Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft Chaco-Pekaris als stark gefährdet ein – die Bestände nehmen zudem weiter ab. Hauptursache ist der massive Verlust ihres Lebensraums. Die Trockenwälder des Chaco weisen weltweit die höchste Entwaldungsrate auf. Einer aktuellen Studie zufolge könnten Chaco-Pekaris außerhalb von Schutzgebieten bis 2051 vollständig verschwunden sein, wenn die Zerstörung ihres Lebensraums nicht gestoppt wird.

"Umso wichtiger ist die Haltung und Zucht in menschlicher Obhut, um eine stabile Reservepopulation aufzubauen. Jedes Jungtier ist dafür ein wichtiger Baustein", sagt Jörg Beckmann, stellvertretender Direktor und Biologischer Leiter des Tiergartens.

Jungtiere wichtig für Arterhalt und Sozialstruktur

Jungtiere sind aber nicht nur aus genetischen und gesundheitlichen Gründen wichtig. Auch für das Sozialleben der Tiere spielen Partnerwahl, Paarung, Geburten und Aufzuchten eine entscheidende Rolle. "Wir möchten unseren Tieren all diese natürlichen Verhaltensweisen ermöglichen und sehen es als unsere Verantwortung, eine sozial stabile, gesunde und fortpflanzungsfähige Gruppe zu erhalten", so Beckmann.

Keine Echten Schweine 

Obwohl sie äußerlich Schweinen ähneln, gehören Chaco-Pekaris nicht zur Familie der Echten Schweine (Suidae), sondern zu den Nabelschweinen (Tayassuidae). Ihre oberen Eckzähne ragen – anders als bei Schweinen – nicht nach oben, sondern wie Fangzähne nach unten und dienen als Verteidigungswaffe. Zudem besitzen sie eine Rückendrüse, aus der sie ein moschusartiges Sekret abgeben.

Der Tiergarten Nürnberg hält Chaco-Pekaris seit Juni 2023 und beteiligt sich mit ihnen am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm „EAZA ex-Situ Programme“ (EEP). Ziel dieser wissenschaftlich fundierten und koordinierten Zucht ist es, eine stabile und gesunde Population der Art außerhalb ihres natürlichen Lebensraums aufzubauen und zu erhalten. Sollten die IUCN-Kriterien es künftig erlauben, könnten Tiere aus diesem Bestand sogar wieder ausgewildert werden. Zusätzlich unterstützt der Tiergarten Forschungsprojekte zu der Art. Derzeit leben insgesamt rund 70 Chaco-Pekaris in elf EAZA-Zoos.