Zum Tag des Artenschutzes: Tiergarten führt Artenschutzeuro ein
Der Franciscana-Delfin in Südamerika, der Kulan in Kasachstan, das Visayas-Pustelschwein auf den Philippinen oder der heimische Feuersalamander – vier…
Der Franciscana-Delfin in Südamerika, der Kulan in Kasachstan, das Visayas-Pustelschwein auf den Philippinen oder der heimische Feuersalamander – vier ganz unterschiedliche Arten, die aber alle eines gemeinsam haben: Sie sind durch Klimawandel, Lebensraumverlust, nicht nachhaltige Fischerei oder eingeschleppte Krankheiten bedroht. Ab sofort können Besucherinnen und Besucher des Tiergartens der Stadt Nürnberg gezielt zum Schutz dieser Arten beitragen: Zum heutigen Tag des Artenschutzes bietet der Tiergarten den Artenschutzeuro an.
Der Artenschutzeuro kann beim Kauf von Online-Tickets unter tiergarten-nuernberg.ticketfritz.de ausgewählt werden. Das Tagesticket für Erwachse kostet dann 22 statt 21 Euro, ermäßigt 20 statt 19 Euro. Auch Familien- und Teilfamilienkarten sind mit Artenschutzbeitrag erhältlich (49,50 statt 47,50 Euro bzw. 27,50 statt 26,50 Euro). An den Kassen vor Ort ist der Artenschutzeuro derzeit noch nicht verfügbar.
Wer unabhängig vom Ticketkauf seinen Beitrag leisten möchte, kann ebenfalls über den Online-Shop Artenschutzbeiträge von 10, 25 oder 50 Euro leisten.
„Mit dem Artenschutzeuro setzen wir ein klares Zeichen dafür, wie wichtig der Erhalt der Artenvielfalt weltweit aber auch vor unserer Haustür ist. Und dass es dafür unser aller Unterstützung braucht. Jede Besucherin und jeder Besucher kann mit einem kleinen Beitrag Großes bewirken. Dabei kommt jeder Euro, der geleistet wird, direkt bei den Projekten an“, sagt Bürgermeister Christian Vogel.
Tiergartendirektor Dr. Dag Encke ergänzt: „Artenschutz ist eine der dringlichsten Aufgaben von Zoos weltweit. Seit jeher setzt sich der Tiergarten in einem internationalen Netzwerk mit vielen Partnern dafür ein – mit koordinierter Erhaltungszucht, fundierter Umweltbildung und umfassender Forschungsarbeit. Der Artenschutzeuro hilft uns, Projekte zu stärken, die unmittelbar Wirkung zeigen – von der kasachischen Steppe bis zu unseren heimischen Wäldern. Wir laden alle Gäste ein, Teil dieser gemeinsamen Verantwortung zu werden.“
Große Pflanzenfresser erfüllen eine wichtige ökologische Funktion: Sie helfen dabei, Landschaften offen zu halten und sie als Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten zu bewahren. So auch in der kasachischen Steppe: Unter Federführung der Naturschutzorganisation Association for the Conservation of the Biodiversity of Kazakhstan (ACBK) und in enger Zusammenarbeit mit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) unterstützt der Tiergarten dort seit 2011 die Wiederansiedlung von Kulanen (Equus hemionus) und Przewalski-Pferden (Equus przewalskii).
Der Feuersalamander (Salamandra salamandra) ist eine der bekanntesten heimischen Amphibienarten – und stark bedroht. Neben der zunehmenden Trockenheit, verschmutzten Gewässern und dem Straßenverkehr setzt ihm vor allem die Pilzerkrankung Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal) massiv zu. In Kooperation mit Citizen Conservation, Frogs and Friends e. V., dem Landesbund für Vogel- und Naturschutz e. V. (LBV) und dem BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) arbeitet der Tiergarten daran, den schwarz-gelben Lurch vorm Aussterben zu bewahren.
Durch den Menschen verschleppt gelangte die Afrikanische Schweinepest (ASP) nach Europa und Asien. Besonders dramatisch ist die Situation in Südostasien: Dort droht die ASP alle zwölf endemischen Schweinearten in der Natur auszurotten, was rund zwei Drittel aller Schweinearten der Welt entspricht. Unter Hochdruck arbeitet der Tiergarten Nürnberg mit Partnern wie der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP), der IUCN SSC Wild Pig Specialist Group und Partnern vor Ort daran, Schutzmaßnahmen für vom Aussterben bedrohte Schweinearten in Asien voranzutreiben. Dies umfasst unter anderem den Aufbau von Zucht- und Auffangstationen für verschiedene Schweinearten, Feldforschung sowie die Entwicklung von Impfstoffen.
Lateinamerika fasziniert mit einer großen biologischen Vielfalt, kämpft aber auch mit vielen Problemen, die das Gleichgewicht der Natur zunehmend stören. Diese Probleme waren der Anlass, 1992 die Artenschutzgesellschaft YAQU PACHA e.V. zu gründen mit dem Ziel, den bedrohten Arten in Lateinamerika zu helfen und die Menschen vor Ort für den Artenschutz zu sensibilisieren. Der Fokus liegt dabei auf wasserlebenden Säugetieren. Denn fast die Hälfte aller Wal- und Delfinarten weltweit ist gefährdet, unter den Arten mit einer küstennahen Verbreitung sind es weitaus mehr. Zu den Kernaufgaben der in Nürnberg beheimateten Artenschutzgesellschaft gehört zum Beispiel der Schutz des Franciscana-Delfins (Pontoporia blainvillei), der bedrohtesten Delfinart Südamerikas.
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