Tiergarten NürnbergHome

in Nürnberg
Vormittags ist es bei Werten um 3 Grad meist bedeckt, auch bis zum Abend gibt es... Wettervorhersage

Aktuelles aus dem Tiergarten

Tiergarten führt Forstarbeiten für Verkehrssicherung und klimastabilen Waldumbau durch

Mitarbeiter des Tiergartens der Stadt Nürnberg führen derzeit im Stadtgebiet und im Umfeld seiner Außenstelle mit angegliedertem Bio-Bauernhof, Gut Mittelbüg in Schwaig, Forstarbeiten durch. Bei den Arbeiten geht es zunächst darum, den Fußgänger-, Rad- und Autoverkehr zu sichern und vor herabfallenden Ästen oder umstürzenden Bäumen zu schützen. Zugleich dienen die Maßnahmen dazu, die Wälder widerstandsfähig gegen die Folgen des Klimawandels zu gestalten.

Als Forstbetrieb der Stadt ist der Tiergarten auch für die Bewirtschaftung der städtischen Wälder zuständig. Dafür arbeitet er eng mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth-Uffenheim (AELF) und den Bayerischen Staatsforsten zusammen. Aktuell finden Arbeiten in Gut Mittelbüg, in der Schwedenschlucht und der Drahtzieherstraße in Mühlhof, in der Nähe des August-Meier-Hauses an der Regensburger Straße, in Lohhof, am Reichelsdorfer Friedhof, an der Bahnstraße in Laufamholz, in Königshof, in Erlenstegen und im Tiergarten selbst statt. Ein erheblicher Teil der Arbeiten besteht darin, die Folgen des starken Schneefalls und dem damit verbundenen Schneebruch zu beseitigen.

Doch neben der Aufgabe der Verkehrssicherung geht es dabei für die Partner insbesondere darum, die Wälder dahingehend umzubauen, dass sie zunehmender Trockenheit, Hitze und Extremwetterereignissen besser standhalten können.

Waldkiefern (Pinus silvestris) und Gemeine Birken (Betula pendula) gehören zu den Baumarten, die besonders unter den Folgen des menschengemachten Klimawandels leiden. Sichtbar wird dies zum Beispiel daran, dass die Kiefern verstärkt von Misteln befallen werden – ein Zeichen dafür, dass die Bäume geschwächt sind. Doch auch Bäume, die augenscheinlich noch gesund dastehen, nehmen die Experten genau in den Blick. Sie müssen nicht selten entnommen werden, da sie ebenfalls bereits stark geschädigt sind.

Vorausschauende Eingriffe und nachhaltige Nutzung

Hinweise dafür, dass eine Kiefer abstirbt, finden sich etwa in deren Krone. Nicht nur Mistelbefall, auch der Umfang der Krone geben Aufschluss über den Gesundheitszustand des Baumes: Ist er deutlich reduziert, ist dies ein Zeichen dafür, dass der Baum sich über Photosynthese nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgen kann. Auch diese Bäume entnehmen die Forstexperten des Tiergartens, ehe sie durch ihre zunehmende Instabilität zur Gefahr werden. Das Holz verwenden sie für den Gehegebau oder verkaufen es als Bauholz.

„Wir wägen bei den Forstarbeiten sehr genau ab“, sagt der Futtermeister des Tiergartens, Gerd Schlieper, der auch für den Forst verantwortlich zeichnet. „In Sachen Sicherheit machen wir dabei keine Kompromisse – Bäume, die bereits umsturzgefährdet sind, entnehmen wir sofort. Doch auch andere, bei denen absehbar ist, dass sie in den kommenden Jahren kaputtgehen werden, entnehmen wir schon jetzt.“ Der Vorteil dieses Vorgehens liegt darin, dass das Holz dieser Bäume noch als Bauholz genutzt werden kann – entsprechend der sogenannten Kaskadennutzung. Je nach Qualität der Stämme wird dieses zum Beispiel als Wertholz, zur Herstellung von Holzfaserplatten, zur Erzeugung von Energie oder als Gehegegrund im Tiergarten verwendet.

Ökologie vor Wirtschaftlichkeit

Grundsätzlich stellt der Tiergarten als Forstbetrieb die Erholungsfunktion und die Ökosystemleistungen der städtischen Waldflächen vor deren wirtschaftliche Nutzung. „Es geht darum, die Wälder mit all ihren wichtigen Funktionen auch für die nachfolgenden Generationen zu erhalten“, sagt der stellvertretende Direktor und biologische Leiter des Tiergartens, Jörg Beckmann. Deswegen achten Tiergartenmitarbeiter und ihre Partner von AELF und Bayerischen Staatsforsten bei allen Arbeiten darauf, dass nicht nur zukunftsfähige Baumarten wie Walnuss, Edelkastanie, Flaumeiche und Wildbirne nachgepflanzt werden, sondern dass bereits natürlich gekeimte, nachwachsende Bäume genug Raum und Licht zum Wachsen bekommen.

„Auch diese Naturverjüngung ist ein wichtiger Bestandteil auf dem Weg hin zu zukunftsfähigen Wäldern“, sagt Siegfried Dörfler vom Forstrevier Nürnberg des AELF. „Wir sehen, dass eine Vielfalt von Baumarten – etwa Eichen, Ahorn, Hainbuchen, Eiben und andere – sich ausbreiten, sobald die Licht- und Platzverhältnisse es zulassen.“

Um diesen jungen Bäume bei den Verkehrssicherungsarbeiten möglichst wenig zu schaden, arbeitet der Tiergarten auch mit zertifizierten Forstunternehmen zusammen, die über Spezialmaschinen wie zum Beispiel Schreitbaggern verfügen. Damit können sie auch große Bäume entnehmen, ohne den Boden großflächig zu beeinträchtigen.