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Aktuelles aus dem Tiergarten

Stadt Nürnberg setzt auf klimaneutralen und krisenresistenten Tiergarten

Die Stadt Nürnberg hat ein Energiekonzept für den Tiergarten erstellt, mit dem sie ihrem Ziel der Klimaneutralität bereits in der ersten Projektphase um knapp 2.000 Tonnen eingesparten Kohlenstoffdioxid (CO₂) pro Jahr näherkommt. Zugleich stellt die Stadt im Falle der Umsetzung damit die Energieversorgung des Tiergartens in Notsituationen sicher und reagiert auf Gefahren und Ungewissheiten, die sich aus der aktuellen Energiekrise ergeben: Dies ist zum einen unabdingbar, um das Wohlergehen der im Tiergarten lebenden Tiere zu gewährleisten, zum anderen entlastet es das öffentliche Gas- und Stromnetz und perspektivisch den Haushalt des Tiergartens. Komplett umgesetzt kann die Stadt mit dem Konzept jährlich zirka 2.900 Tonnen an CO₂-Emissionen einsparen. Das entspricht rund 90 Prozent der gesamten CO₂-Emissionen des Tiergartens – oder der Menge an CO₂, die 1.950 Hektar Laubwald pro Jahr aufnehmen. Das im Folgenden vorgestellte Konzept wird die Grundlage sein für konkrete Planungen zur Klimaneutralität des Tiergartens. Die einzelnen Phasen werden schrittweise geplant, dem Stadtrat vorgelegt und bei gesicherter Finanzierung umgesetzt. Der Tiergarten wird sich dabei auch um Fördermittel bewerben.

"Ich bin schwer beeindruckt von dem Konzept, das der Tiergarten zusammen mit seinen Projektpartnern unabhängig der aktuellen Situation vorausschauend schon vor über einem Jahr auf den Weg gebracht hat und nun fertig erstellt hat. Dieses Projekt kann richtungsweisend für die ganze Stadt sein", sagt Bürgermeister Christian Vogel. "Die großen Verbraucher im Tiergarten werden miteinander vernetzt und dieses Netz wird nachhaltig gespeist, im Sommer setzen wir auf die Sonne, im Winter setzen wir auf Hackschnitzel aus eigener nachhaltiger Forstwirtschaft. Das ist wichtig im Sinne der Nachhaltigkeit aber auch im Sinne der Sicherheit der Tiere im Falle eines Stromausfalls oder einer sich verschärfenden Energiekrise."

"Wir machen das Klima" bringt es Britta Walthelm, Referentin für Umwelt und Gesundheit der Stadt Nürnberg auf den Punkt. "So heißt nicht nur eine Informationsplattform des Umweltreferats im Internet. Vielmehr machen wir mit diesem Satz deutlich, dass auch wir alle den Klimaschutz in Nürnberg in der Hand haben. Der Tiergarten geht mit anschaulichen Beispielen voran, die auch technische sowie nachhaltige Lösungen für den Immobiliensektor und sogar im privaten Wohnungsbau liefern."

Arten- und Klimaschutzeinrichtung wird zum Pilotprojekt

Der Tiergarten ist mit seiner Infrastruktur und seinem umfangreichen Fachwissen in den Bereichen Arten- und Naturschutz sowie nachhaltiger Forst- und Landwirtschaft ein wichtiges Instrument der Stadt im Kampf gegen den Klimawandel und für den Erhalt widerstandsfähiger Lebensräume in der Region und auf dem Planeten.

Zugleich bedeutet die aufwendige Haltung und Zucht einer zunehmenden Zahl an bedrohten Tierarten einen enormen Energiebedarf. Das Pilotprojekt "CO₂-neutraler Tiergarten" birgt das Potential, dass der Tiergarten sich bis 2030 beinahe komplett selbst und regional mit Energie versorgen kann. Der Tiergarten als Arten- und Klimaschutzeinrichtung ist der ideale Ort für ein solches Vorzeigeprojekt, denn er hat den gesetzlichen Auftrag, für den Erhalt der Artenvielfalt zu arbeiten und den Bürgerinnen und Bürgern im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung vorzuleben, dass ein friedliches Miteinander von Mensch und Natur möglich ist. Das Energiekonzept ist so ausgelegt, dass es auf andere vergleichbare Einrichtungen und Kommunen übertragbar ist. Die Erstellung des Konzeptes für den Tiergarten der Stadt Nürnberg wurde durch das Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie in München gefördert. Beauftragt wurde das Büro Ing+Arch aus Nürnberg.

Energiekonzept auf vier Pfeilern

Das Energiekonzept fußt auf folgenden Pfeilern:

  1. Einer Photovoltaikanlage (PV-Anlage) mit Speicher
  2. mehreren Holz-Blockheizkraftwerken (BHKW)
  3. einem Nahwärmenetz und
  4. der schrittweisen energetischen Sanierung der Gebäude des Tiergartens.


Die PV-Anlage deckt den Strombedarf in den Sommermonaten zum Großteil. Der Speicher sorgt dafür, dass der Betrieb auch nachts oder bei einem Stromausfall des öffentlichen Netzes für rund 48 Stunden mit eigenem Strom weiterläuft. Im Winter werden Strom- und Wärmeproduktion maßgeblich von den Blockheizkraftwerken getragen.

Das Pilotprojekt "CO₂-neutraler Tiergarten" ist in zwei Phasen geplant: Schon in der ersten Phase sparen Stadt und Tiergarten bis zu 2,2 Millionen Kilowattstunden aus Gas pro Jahr ein. Mit der Errichtung eines Heizhauses inklusive Pelletkessel beim Giraffenhaus und einer Nahwärmeleitung zur Lagune werden knapp 70 Prozent der rund 1,9 Millionen Kilowattstunden Strom und Wärme pro Jahr, die der Betrieb der Lagune beansprucht, mit erneuerbaren Energien gedeckt. Zusätzliche ersetzt der Tiergarten seine bisherige Hackschnitzelheizung am Betriebshof durch eine leistungsfähigere – und spart damit bis zu 400.000 weitere Kilowattstunden aus Gas pro Jahr.

Zugleich wird bei diesen Bauarbeiten die Grundlage für das gesamte Nahwärmenetz des Tiergartens und die Bündelung der Stromeinspeisungspunkte gelegt. Geplant ist zudem, dass die energetische Sanierung des Giraffenhauses in diesem Zeitraum beginnt. Nach Abschluss der ersten Phase soll sich das Nahwärmenetz von der Verwaltung und dem Naturkundehaus über das Giraffenhaus und die Lagune bis hin zum Betriebshof und dem Wüstenhaus erstrecken.

Ein weiteres Element der ersten Phase ist die große PV-Anlage mit Speicher. Hierfür prüft die Stadt derzeit geeignete Standorte. In der engen Wahl stehen der Großparkplatz des Tiergartens und die Fläche auf einem stillgelegten Wasserspeicher der N-Ergie nördlich des Tiergartens. Bei der Bewertung der Standorte ist die technische Machbarkeit entscheidend. Stellt sich in der weiteren Prüfung heraus, dass Bau und Betrieb der PV-Anlage am Großparkplatz – auch zur Absicherung von Stromausfällen und damit zum Schutz der Zootiere – die technisch sinnvollste Lösung ist, wird der Tiergarten Bäume, die dafür gefällt werden müssten, nachhaltig verwerten und durch Neupflanzungen an anderer Stelle dafür Sorge tragen, dass durch die PV-Anlage kein Laubvolumen zur CO2-Absorbtion verloren geht. Die projizierten Investitionskosten der ersten Projektphase liegen bei 12,3 Millionen Euro (Stand: Juli 2022). Damit können 60 Prozent der gesamten CO₂-Emissionen des Tiergartens eingespart werden.

Bis zu hundertprozentige Klimaneutralität in der zweiten Projektphase In der zweiten Phase sollen unter anderem ein weiteres BHKW errichtet und das Nahwärmenetz ausgebaut werden, um auch das Tropenhaus zu versorgen. Das Nahwärmenetz ist überdies so geplant, dass auch nachträglich Einrichtungen außerhalb des Tiergartens wie zum Beispiel die Akademie der Bildenden Künste oder ein öffentliches Wärmenetz angeschlossen werden können. Mit der Sanierung des Giraffenhauses und den Investitionen in erneuerbare Energien könnte der Tiergarten insgesamt 90 Prozent seiner Emissionen einsparen. Die geplanten Kosten für diese zweite Phase liegen bei ca. 6,5 Millionen Euro.

Die zehn Prozent, die zur Klimaneutralität fehlen, könnte er durch eine Pyrolyseanlage erreichen: Eine solche Anlage verarbeitet die Reststoffe aus der Holzpellet-Verbrennung zu Pflanzenkohle, die in den Boden eingebracht werden kann – und dort nicht nur Kohlenstoff dauerhaft bindet, sondern auch die Bodenqualität verbessert. Zur Erinnerung: Der Klimawandel wird maßgeblich dadurch verursacht und beschleunigt, dass wir fossile Brennstoffe als Energieträger nutzen und dadurch mehr CO₂ in die Atmosphäre abgeben, als die Natur in Form von Kohlenstoff wieder binden kann. Eine Pyrolyseanlage ist eine technische Möglichkeit, dem menschengemachten Ungleichgewicht im jahrtausendealten Kohlenstoffkreislauf unserer Erde entgegenzuwirken.

Die Stadt Nürnberg wird sich für die Umsetzung des Pilotprojektes "CO₂-neutraler Tiergarten" um Fördermittel des Bundes bewerben.