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Neue Quartiere für Fledermäuse im Tiergarten – Mittelschule Insel Schütt baute 16 Kästen

Die Mittelschule Insel Schütt hat 16 selbstgebaute Fledermauskästen an den Tiergarten übergeben. Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe haben die Fledermauskästen im letzten Schuljahr angefertigt, nun hat sie der nächste Jahrgang an den Tiergarten gespendet.

Gemeinsam mit den Tierpflegern Thorsten Krist und Simon Ludwig haben die Schüler einen Teil der Fledermauskästen direkt aufgehängt. Sie befestigten die Kästen an geeigneten Bäumen neben der Steinbockanlage und oberhalb des Affenhauses.

Soziale und ökologische Verantwortung in Betrieben

"Die Idee, Fledermauskästen zu bauen, stammt aus einer sogenannten Probeprojektprüfung, die die Schülerinnen und Schüler in der 9. Klasse ablegen müssen", erklärt Lehrerin Michelle Podlipaev. "Letztes Jahr musste die Technikgruppe das Thema ‚soziale und ökologische Verantwortung in Betrieben‘ bearbeiten und Ideen entwickeln, wie man hierzu einen Beitrag leisten kann. Vor dem Bau der Fledermauskästen haben die Jugendlichen bereits Nisthilfen für Vögel gebaut – die einzelnen Arbeitsschritte und Techniken waren ihnen also schon bekannt."

Beim Bau der Kästen achteten die Schülerinnen und Schüler auf die besonderen Anforderungen, die ein Fledermauskasten erfüllen muss. Beispielsweise kommt es auf die passende Auswahl des Holzes an, einen Regenschutz und die richtige Größe der Öffnung – sie muss groß genug für die Fledermäuse sein, aber auch klein genug, damit keine Fressfeinde hineinkommen.

Führung zu den Fledermäusen im Manatihaus

Nachdem die Kästen angebracht waren, führte Dr. Ralph Simon, Forschungskurator des Tiergartens, die Gruppe durchs Manatihaus und zeigte den Schülern die dort lebenden Blütenfledermäuse (Glossophaga soricina). Dr. Simon beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Tieren und erklärte unter anderem, welche außergewöhnlichen Anpassungen Fledermäuse hervorgebracht haben und warum sie so wichtig für intakte Ökosysteme sind: "In tropischen Regionen sind sie wichtige Samenverbreiter und Bestäuber, etwa von Banane oder Durian-Frucht. Die Fledermausarten in unseren Breiten ernähren sich von Insekten und helfen so, Schädlingen zu kontrollieren", sagt Dr. Simon. "Wir können viel von diesen spannenden Tieren lernen und müssen sie schützen, weil sie essentielle Funktionen in den weltweiten Ökosystemen einnehmen."

Tiergarten als wertvoller Lebensraum heimischer Fledermausarten

Der Tiergarten ist als Natura 2000-Gebiet gemäß der EU-Vogelschutz- und der EU-Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie aktiv an der Umsetzung der europäischen Biodiversitätsstrategie beteiligt. Für den Erhalt der heimischen Vogelwelt betreuen die Tierpfleger Thorsten Krist und Simon Ludwig mehr als 650 Nistkästen im Tiergarten. Dazu kommen mit der Spende der Schule nun insgesamt etwa 40 Fledermauskästen. "In Deutschland kommen rund 25 Fledermausarten vor, auf unserem Gelände leben beispielsweise der Abendsegler, die Zwergfledermaus und das Braune Langohr", sagt Thorsten Krist. "Die großen, teils jahrhundertealten Bäume sowie natürliche Felsnischen und Höhlen bieten den Flugkünstlern wertvolle Lebensräume", ergänzt Simon Ludwig.

Mit mehr als 1.400 Arten sind Fledertiere die zweit-artenreichste Gruppe der Säugetiere. Bis auf die Antarktis und andere polare Regionen sind sie weltweit verbreitet und kommen sogar auf den entlegensten Inseln vor. Sie sind die einzigen Säugetiere, die den aktiven Flug beherrschen. Zur Ordnung der Fledertiere gehören Fledermäuse (Yangochiroptera), Flughunde (Pteropodidae) und Hufeisennasen (Rhinolophoidea). Darunter gibt es wiederum mehrere Familien mit zahlreichen unterschiedlichen Arten.