Tiergarten NürnbergHome

in Nürnberg
Bis zum Mittag regnet es teilweise recht stark, zum Nachmittag ist es bei Werten... Wettervorhersage

Pressemitteilungen

Waldrappe aus dem Tiergarten in Spanien ausgewildert

Zwei Waldrappe (Geronticus eremita) aus dem Tiergarten Nürnberg ziehen seit kurzem über der andalusischen Atlantikküste ihre Kreise. Die beiden Vögel sind im Frühjahr letzten Jahres im Tiergarten geschlüpft und kamen im November nach Spanien. Der Tiergarten hat sie dort an das Auswilderungsprojekt "Proyecto Eremita" abgegeben.

Die jungen Vögel aus Nürnberg verbrachten die letzten Monate in großen Auswilderungsvolieren – gemeinsam mit anderen Waldrappen aus europäischen Zoos. Dort konnten sich die Vögel zunächst aneinander gewöhnen und sich mit der neuen Heimat vertraut machen. Um die Vögel weiter beobachten zu können, wurden einige von ihnen dort auch mit einem Sender ausgestattet.

Nürnberger Waldrappe fliegen über andalusische Küste

Ende März öffneten sich schließlich die Türen der Volieren. Wie Miguel Quevedo Muñoz, Koordinator des "Proyecto Eremita" mitteilt, haben sich die ausgewilderten Vögel schon kurz danach mit ihren Artgenossen zusammengetan und fliegen nun als gemeinsamer Schwarm in den Lüften über der Atlantikküste.

Die Wildpopulation der Waldrappe in Südspanien wird derzeit auf 250 Vögel geschätzt. In dieser Brutsaison gibt es fünf Brutplätze mit etwa 30 Paaren. In der Natur ist die Ibisart nur noch dort und in Marokko anzutreffen, kleine Kolonien gibt es außerdem in der Türkei und im Alpenraum. Bis Mitte des 17. Jahrhunderts war sie auch in Mitteleuropa heimisch. Nicht nachhaltige Bejagung und Lebensraumzerstörung führten jedoch zum Rückgang der Kolonien. Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft den Waldrapp heute als "stark gefährdet" ein.

Bereits zehn Waldrappe ausgewildert

Wiederansiedlungsprojekte wie "Proyecto Eremita" sollen die Art wieder in der Wildbahn etablieren. Gemeinsam mit dem Zoobotánico Jerez de la Frontera unterstützt der Tiergarten Nürnberg das Projekt seit 2018 – bislang mit zehn im Tiergarten geschlüpften Waldrappen.

"Auswilderungen machen nur einen sehr kleinen Teil der Arten- und Naturschutzarbeit von Zoos aus. Dennoch gehören sie zu den absoluten Höhepunkten unserer Arbeit", sagt Jörg Beckmann, Biologischer Leiter und stellvertretender Direktor des Tiergartens. "Es freut uns, dass wir mit unseren Nürnberger Waldrappen die Population in Südspanien stützen und so zum Erhalt der Art beitragen können. Projekte wie diese sind ein Bespiel dafür, wie viel wir mit erfolgreichen Kooperationen im Artenschutz erreichen können."

Zoos und Zuchtstationen spielen bei Auswilderungsprojekten eine entscheidende Rolle. Tiere wie die Waldrappe können nur ausgewildert werden, wenn es eine stabile sogenannte Reservepopulation gibt, die in menschlicher Obhut gehalten und gezüchtet wird.

Derzeit läuft das Brutgeschäft im Tiergarten

Bei den Waldrappen im Tiergarten ist derzeit das Brutgeschäft in vollem Gange. Sollten sie auch in diesem Jahr erfolgreich Jungtiere aufziehen, kämen diese für die kommende Auswilderungsaktion in Andalusien infrage.

Der Tiergarten hält bereits seit den 1960er Jahren Waldrappe – zunächst am Flusspferdhaus und seit 1999 in der Großvoliere neben der Fischkatzenanlage. Dort leben aktuell elf Waldrappe, die sich die Voliere mit Europäischen Löfflern (Platalea leucorodia) und Purpurhühnern (Porphyrio porphyrio) teilen.

Die Nürnberger Waldrappe sind Teil des Europäischen Zuchtprogramms EEP (EAZA Ex-situ Programme). In diesen Programmen züchten Zoos und Wildparks koordiniert Tierarten, um langfristig stabile selbsterhaltende Populationen aufzubauen. Ziel ist es, auf diese Weise die jeweilige Art zu erhalten und Wiederansiedlungen in der Natur zu ermöglichen.

Tiergarten engagiert sich in mehreren Auswilderungsprojekten

Neben den Waldrappen beteiligt sich der Tiergarten auch mit anderen Tierarten regelmäßig an Auswilderungsaktionen. Im den letzten Jahren hat er beispielsweise Alpensteinböcke in Österreich, Ziesel in Tschechien und Europäische Sumpfschildkröten in Hessen ausgewildert.