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Aktuelles aus dem Tiergarten

Paviane ziehen in ihr neues Zuhause ein

Es ist erstaunlich, wie wenige Gehege oder Gebäude bisher aus
Gründen des Tierschutzes seit der Neuanlage des Tiergartens im Jahr
1939 aufgegeben oder erneuert werden mussten.
Aber einer dieser zu modernisierenden Punkte im Tiergarten war unzweifelhaft die Pavianhaltung im Inneren des „Affenbergs“.

Für den Besucher nicht einsehbar lebten im „Affenberg“ die Sphinx-
Paviane bei schlechter Witterung in einem geheizten Innenstall unter
heute nicht mehr vertretbaren Bedingungen. Die Gruppe von 20-30
Tieren musste sich dort einen Raum ohne Sichtbarrieren und ohne
Rückzugsmöglichkeiten bei Konflikten teilen.
Im Tiergarten wurde die Erneuerung des Pavianstalls im Jahr 2005 mit
der Priorität I versehen, aber es gab keinen festgelegten Zeitraum für
die Umsetzung des Projekts.

Mit einer Ortsbegehung unter der Leitung von Frau Dr. Johanna
Moritz, der Leiterin des Sachgebiets Tierschutz am Bayerischen
Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), im März
2006 kam Bewegung in das Projekt. Zu Recht monierten die Gutachter
mangelnden Platz, mangelnde Ausweichmöglichkeiten, fehlende
Transparenz und unzureichende Beschäftigung der Tiere. Die
Stellungnahme der Gutachter war unmissverständlich: die
Pavianhaltung kann nur unter der Voraussetzung der Vorlage einer
Neuplanung für das Innengehege bis 2007 fortbestehen.

Die komplizierte Planung des neuen Pavianstalls (Architekt: Herbert
Dietz) wurde fristgerecht 2007 vorgelegt. Nach 10-monatiger Bauzeit,
in der auch das Außengehege generalsaniert wurde, kann das Projekt
heute der Öffentlichkeit vorgestellt werden. (Für die Paviane nutzbare
Fläche: 100 m2, Höhe: 2,4-3,4 m, nutzbares Volumen: ca. 280 m3,
Kosten: 605.000 € zzgl. Sanierung Außengehege).
Wichtige Neuerungen gegenüber der alten Unterbringung: bedeutend
größeres Raumvolumen für die Affen, Transparenz des Gebäudes für
Besucher und Affen, strukturierte Klettereinrichtung,
Rückzugsmöglichkeiten durch Raumgliederung,
Ausweichmöglichkeiten durch Rundlaufsystem, Möglichkeiten für die
Pfleger, mit den Affen distanzlos zu arbeiten.

Bürgermeister Förther zeigt sich begeistert über das gelungene
Projekt: „Ein für die Tierhaltung optimierter Funktionsbau ist
entstanden, der sich architektonisch unaufdringlich in die
Landschaftskulisse des Affenbergs einfügt. Nicht nur die Affen
profitieren von diesem Neubau, sondern auch die Besucher können
nun die Paviane durch Glasscheiben ganz nah und unmittelbar
erleben. Ein Projekt, bei dem das Ergebnis überzeugt und das
gleichzeitig seine veranschlagten Kosten eingehalten hat.“

Frau Dr. Moritz sieht einen erfreulichen Erfolg ihrer Arbeit: „Es ist zum
Wohl der Tiere erfreulich, dass dem Gutachten des LGL zeitnah Taten
gefolgt sind. Die Erfolge lassen sich bereits jetzt sehen: die Tiere
scheinen entspannter zu sein als vorher, sie können sich aus dem
Weg gehen und soziale Konflikte besser lösen. Im Umgang mit den
Pflegern reagieren sie mit größerem Vertrauen. In der Außenstation
des Tiergartens wurden die Paviane bereits an das neue Management
des unmittelbaren Umgangs gewöhnt. Die Aufzucht der Jungtiere
verlief unter diesen methodischen Veränderungen im letzten Jahr
problemloser als früher. Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass ernst
genommener Tierschutz ein wichtiger Baustein in der Arbeit der Zoos
für den Artenschutz ist. Heute freuen wir uns gemeinsam über das
Ergebnis unserer Zusammenarbeit.“

Auch der Tiergartendirektor zeigt sich zufrieden: “Schon 2005 hatten
wir die Pavianhaltung intern auf Priorität I gesetzt. Die Kritik der
Gutachter im Frühjahr 2006 haben wir damals nicht als Vorwurf
sondern als Bestätigung unserer Einschätzung gesehen. Am Ende war
es eine große Hilfe, durch die Stellungnahme des LGL das Projekt
zeitnah umsetzen zu müssen.“

Tiergarten der Stadt Nürnberg
Dr. Dag Encke
Leitender Direktor