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300 Arten von Patienten

Tiermedizinische Vielfalt im Tiergarten

Ein Veterinär im Tiergarten "kämpft" in allen Gewichtsklassen. Einen so großen Gewichtsunterschied bei seinen Schützlingen hat wohl kaum ein Tierarzt anderswo. Vom Ultraleichtgewicht Zwergfledermaus - einige Gramm bringen diese Nachtjäger immerhin auch auf die Waage - bis zum Panzernashorn mit mehreren Tonnen "Kampfgewicht" sind alle Klassen vertreten.

Artenvielfalt = Behandlungsvielfalt

Aber nicht nur das Gewicht der Tiere macht einen Unterschied. Stellen Sie sich nur die unterschiedlichen Lebensweisen, Verhaltens- und Ernährungsformen der einzelnen Arten vor, die Ihnen sicherlich bei dem einen oder anderen Tiergartenbesuch schon aufgefallen sind - egal ob Vögel, Reptilien oder Säugetiere. Der Tierarzt muss seine Patienten also auch in ihrem "Normalzustand" kennen, und das nicht nur aus Büchern. Die Erfahrung macht`s und das heißt beobachten, beobachten und nochmals beobachten.

Vorbeugen

Also: "Frisst das Nashorn noch? Wie ist sein Kotabsatz" Sind äußerliche Veränderungen oder gar Verletzungen an ihm zu erkennen? Wie ist sein Sozialverhalten?
Man kann nur erkennen, was "falsch" ist, wenn man weiß, wie es richtig sein soll.  

 

Von 3 Gramm bis 3 Tonnen

Veterinäre haben es hier schwer

"Vorbeugen ist besser als Heilen", dieses Motto gilt natürlich auch im Tiergarten. Vorbeugende Maßnahmen sind ein wichtiger Bestandteil der Arbeit des Tierarztes: regelmäßige Kotproben geben Auskunft über eventuell vorhandene Parasiten, alljährliche Impfungen beugen Infektionskrankheiten vor und Blutuntersuchungen geben Aufschluss über mögliche Erkrankungen.
Immer wieder sind auch Ausdauer und Geschick des Veterinärs gefordert. Gelingt es bei einem - wohlgemerkt betäubten - Zebra meist noch leicht aus der Halsvene Blut zu entnehmen, so ist es beispielsweise beim Biber sehr viel schwieriger. Blutgefäße an Hals und Extremitäten sind bei ihm kaum zu finden. Die Unterseite des Schwanzes, die "Kelle" bietet die einzige Möglichkeit, Blut abzunehmen. Gewusst wo, gewusst wie, mit viel Geschick kommt der Tierarzt ans Ziel.

Eines ist eben klar: Es handelt sich hier nicht um Hauskatzen oder Hunde, die man schnell "mal eben" auf den Behandlungstisch zur Untersuchung hebt und eben mal kurz festhält, um "einfach so" Proben zu entnehmen.

Alle erhaltenen Befunde trägt der Tierarzt schließlich in seine tiermedizinische Datei ein. Ein Knopfdruck am Computer und das elektronische Krankenblatt gibt ihm später Auskunft über den Gesundheits- oder Krankheitszustand seines Patienten.

Patientenerkennung

Aber wie erkennt der Tierarzt eigentlich seinen Patient, gerade in den großen Gruppen? Gleicht nicht ein Wisent dem anderen, schauen nicht alle Flamingos gleich aus?

Ganz einfach, die Tiere werden individuell verschieden markiert. Die meisten Vögel bekommen Aluminiumringe an ein Bein, Pinguine erhalten Flügelmarken, Wapitihirsche werden mit Ohrkerben versehen und bei Wölfen und Raubkatzen werden Mikrochips unter die Haut gesetzt. Die Markierungen sind mit einer Zahlen- bzw. Buchstabenkombination versehen, das einzelne Tier kann damit eindeutig identifiziert werden. Im Tagesbericht steht also nicht, dass der Davidshirsch "Mausi" lahmt, sondern dass das Tier K14 gemeint ist.

Thermographie

Eine wahre Ferndiagnose

Wildtiere im Zoo tiermedizinisch zu untersuchen ist schwierig und meist mit eine Fang aktion oder heutzutage mit einer stressfreien Immobilisation verbunden, denn eine Diagnose aus der Ferne zu stellen ist meist nicht möglich.

Körpertemperatur optisch dargestellt

Die zu untersuchenden Tiere zu fotografieren und damit deren Körpertemperatur festzustellen ist manchmal eine Lösung.

Mit dieser Methode können bequem aus einigen Metern Abstand Aufnahmen gemacht werden. Diese zeigen- wie das Wort schon sagt - die jeweilige Temperatur der betreffenden Körperstelle an. So kann man entzündete Gelenke, schwach durchblutete Stellen oder auch Trächtigkeiten feststellen.
Beim Seelöwen Ella wurde mit Hilfe von Thermoaufnahmen der Unterkiefer kontrolliert. Somit konnten wir sehen, dass der einst vorhandene Abszeß vollständig verheilt war.

Aufnahmen beim Schabrackentapir

Unser weiblicher Schabrackentapir Indah zeigte wiederholt Lahmheiten an den Hinterläufen.
Bei den Thermographieaufnahmen sah man eine entzündete Zehe und nebenbei eine frühe Schwangerschaft.

Nach einer mehrwöchigen Behandlung zeigt sich eine deutliche Besserung und es wurde eine zweite Aufnahme gemacht. Wie auf diesem Bild zu sehen ist, war die Entzündung vollständig verschwunden. Diese Aufnahmen wurden in Zusammenarbeit mit dem Zoo Frankfurt von den Doktoranden Jan Schmidt-Burbach und Ingrid van Bömmel erstellt.