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Auswilderung von Zootieren

Vom Zoo in die Wildnis

Abenteuer Auswilderung

Seit 1600 sind über 80 Säugetierarten von der Erde verschwunden. Unzählige weitere Tierarten - sowohl bei den Wirbeltieren als auch bei den Wirbellosen - wurden ausgerottet oder sind vom Aussterben bedroht. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, haben sich Zoos wie der Tiergarten Nürnberg der Erhaltungszucht bedrohter Arten verschrieben.

Gerade noch gerettet

Die Alpensteinböcke waren gegen Mitte des 19. Jahrhunderts fast ausgerottet. Nur etwa 50 Tiere überlebten im Gebiet des Gran Paradiso in den italienischen Alpen. Sie wurden unter königlichen Schutz gestellt. Trotzdem gelang es Steinböcke nach Interlaken und St. Gallen in Zuchtzentren zu bringen.
Von diesen Orten aus begann eine erstaunliche Erfolgsstory.

Heute leben wieder fast 40 000 Steinböcke im Alpenraum! Nicht alle geeigneten Lebensräume können von den Tieren selbst erwandert werden, so dass Wiederansiedelungen auch heute noch Sinn machen können. Aus acht Zoos wurden im Rauristal im Nationalpark Hohe Tauern von 1995 bis 2005 83 Steiböcke ausgewildert, darunter 15 Tiere aus dem Tiergarten Nürnberg.Von 2016 bis 2018 hat der Tiergarten Nürnberg je drei Steinböcke im Naturpark Zillertal, für die genetische Auffrischung, zur Verfügung gestellt.
Heute leben weit über 100 im Gebiet und es gab den ersten Austausch mit Steinböcken aus den Nachbartälern.

Eulen für die Heimat

Nachdem der Tiergarten Nürnberg bereits vor Jahrzehnten Uhus zur Bestandsstützung in Deutschland zur Verfügung gestellt hat, werden nun auch Uralkäuze ausgewildert. Uralkäuze waren fast ein Jahrhundert in Deutschland, Tschechien und Österreich ausgerottet.

Die weltweit erste Nachzucht dieser Eulenart gelang im Jahr 1965 dem Tiergarten. Seit 1975 wurden Im Nationalpark Bayerischer Wald, später auch auf tschechischer Seite Uralkäuze ausgewildert und ein stabiler Bestand aufgebaut. 2007 wurde im Biosphärenreservat Wienerwald ein Folgeprojekt gestartet, um eine Verbindung zu den slowenischen Eulen wiederherzustellen. Der Tiergarten hat bisher fünf Eulen an die Zuchtgemeinschaft abgegeben und weitere 29 Eulen ausgewildert. Die fast flüggen Vögel werden in großzügigen Volieren gehalten und nach Öffnung nur noch zu Beginn gefüttert - dann müssen die Jungvögel selbst zurechtkommen.

Aktuelle Information: www.habichtskauz.at

Vom Tiergarten zurück in die Steppe

Einige der Tierarten, die in freier Wildbahn bereits ausgestorben sind, überleben nur noch durch gezielte Zucht in den Zoos. Die Zoos versuchen, eine Tierart kurz- bzw. mittelfristig in Gefangenschaft zu schützen. Sobald deren Existenz in ihrem natürlichen Lebensraum gesichert ist, macht man sich daran, die Art wiederauszusiedeln. Die Zuchtprogramme müssen also Hand in Hand gehen mit dem Schutz der Lebensräume der bedrohten Tiere.

Oft ist gerader dieser Punkt aus politischen, finanziellen oder sozialen Gründen schwierig und vor allem langwierig. Ein Beispiel für die Rettung einer Tierart durch Nachzucht ist das Przewalski-Pferd, das Urwildpferd, von dem unsere heutigen Hauspferderassen abstammen. In seiner ursprünglichen Heimat, der Mongolei und China, wurde es in den 60er Jahren ausgerottet. 1992 begann die Christian Oswald Stiftung ein Projekt, Urwildpferde in der Mongolei wiederanzusiedeln, das heute von der International Takhi(=Urwildpferd) Group fortgeführt wird. Der Tiergarten Nürnberg beteiligt sich mit Pferden aus seiner Zucht an diesem Projekt. Die Tiere dazu kommen aus verschiedenen Zoos, um die genetische Vielfalt zu sichern und Inzucht zu vermeiden. 1997 wurde eine erste Gruppe von Urwildpferden im Naturreservat Gobi B wieder in die Steppe entlassen. Zwei weitere Gruppen, teils mit Halsbandsendern markiert, folgten 1998.

Im Jahr darauf stellte sich bereits der erste Nachwuchs ein: zwei Fohlen. Bis 2009 stieg der Bestand auf 137 Tiere an, aber der folgende Katastrophenwinter dem auch der Großteil aller Haustiere zum Opfer fiel, reduzierte die Zahl der Urwildpferde um zwei Drittel. 2014 war der Bestand wieder auf über 100 Pferde angestiegen und erreichte 2017 die Zahl von 200. Wenn die extremen Winter nicht zu häufig kommen, sollte sich also eine stabile Population entwickeln können.

Aktuelle Information: www.takhi.org

Der größte Vogel ist heimgekehrt

Mit bis zu 2,80 m Spannweite ist der Bartgeier der größte europäische Vogel. Schon Ende des 19. Jahrhunderts war er wegen dem Aberglauben, dass er Kinder und Lämmer fressen würde, im gesamten Alpenraum ausgerottet worden. Nach erfolgreicher Zucht im Zoo Innsbruck wurde eine Zuchtgemeinschaft gegründet und 1986 mit der Wiederansiedelung begonnen.

Im Laufe der Jahrzehnte wurden fast 200 Bartgeier aus Zoos und Zuchtstationen ausgewildert. 2006 war die Population im Alpenraum bereits selbsterhaltend und es war bereits die zweiten Generation im Freiland herangewachsen.
Seit Jahren liegt jetzt der Schwerpunkt auf der Wiederansiedelung in Südfrankreich und Südspanien, um wieder die ehemalige Verbreitung und den genetischen Austausch zwischen den Gebieten zu erreichen. So fliegt auch seit 2013 wieder ein nürnberger Bartgeier im Nationalpark Segura und Cazorla in Südspanien. Nach wie vor gilt es heutigen Bedrohungsursachen auszuschalten, wie z.B. den Einsatz von Giftködern zur Fuchsbekämpfung oder den Einsatz von für Geier hochgiftigen Medikamenten in der Tierhaltung.

Aktuelle Information: www.bartgeier.ch